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Sony Alpha 7 II – Systemkamera mit Vollformatsensor

Es sind nur zwei kleine Striche beim Namen, aber die machen den Unterschied: Sony Alpha 7 II. Es ist das Nachfolgemodell der ersten Sony-Systemkamera mit Vollformatsensor. Vorgestellt wurde die Alpha 7 (24 Megapixel Vollformatsensor) im September 2013. Es folgten die Alpha 7R (36 Megapixel Vollformatsensor) und im Jahr 2014 die Alpha 7S (12 Megapixel Vollformatsensor).

Nun also der Nachfolger des Urmodells und die entscheidende Frage: Was hat sich geändert? Von außen nicht viel. Hier und da ein paar neue Tasten und eine veränderte Anordnung, ein etwas anderer Griff – mehr dazu später. Die entscheidende – und die schon fast revolutionäre – Änderung steckt im Gehäuse der Alpha 7 II: Der Sensor. Ja, er hat immer noch ein 24 Megapixel. Ja, es ist nach wie vor ein Vollformatsensor. Das Besondere: Der eingebaute Bildstabilisator.

Die Bildstabilisierung

Kommen wir nun zu dem neuen Bildstabilisierungs-System: Die Alpha 7 II ist die erste System-Kamera mit einer Sensorgröße von 36 x 24 Millimeter, die eine Bildstabilisierung per Sensor hat. Bisher gab es das bei dieser Sensorgröße schon in der Sony Alpha 99, allerdings nicht in der Variante, wie in der Alpha 7 II. Außer Sony nutzen auch andere Hersteller dieses Verfahren: Pentax bei Kameras mit APS-C-Sensor, Olympus und Panasonic für ihre Micro-Four-Third-Kameras. Panasonci allerdings nur bei der GX7. Weder Nikon noch Canon haben es bislang geschafft, diese Technologie in ihre Vollformat-Spiegelreflexkameras einzubauen.

Dabei hat dieses System einen großen Vorteil: Fremd- und Eigen-Objektive ohne eingebauten Bildstabilisator, bekommen über die A7 II einen Stabi spendiert. Das geht auch, wenn die Linsen per Adapter an der Sony eingesetzt werden. Und der Stabi der A7 II hat es in sich: Er stabilisiert fünf Achsen. Fünf? Ja, richtig.

  • Achse 1: Links - Rechts
  • Achse 2: Hoch - Runter
  • Achse 3: Drehung der Kamera und die Hochachse (für Flugprofis YAW)
  • Achse 4: Kippen nach oben und unten (PITCH)
  • Achse 5: Drehung der Kamera um die Längsachse (ROLL)

Stellt sich nun noch die Frage: Was passiert, wenn man ein bildstabilisiertes Objektiv ansetzt? Bei Sony zu erkennen an dem Zusatz OSS (Optical Stabelizer System). Dann teilen sich beide Systeme die Arbeit. Das Objektiv übernimmt wie gewohnt die Stabilisierung der 1. und 2. Achse, die Kamera übernimmt die Achsen 3, 4 und 5. Im Menü umstellen muss man dazu nichts, die Kamera erkennt automatisch, ob das angesetzte Objektiv einen eingebauten Stabi hat.

Sony nennt den Bildstabilisator "SteadyShot". Er wird eingeschaltet mit einem Druck auf die MENU-Taste. Dann auf die siebte Seite des Aufnahme-Menüs (Symbol "kleine Kamera") gehen und dort den Punkt "SteadyShot" auf "Ein" stellen. Verwendet man Fremdobjektive sollte unter dem nächsten Punkt "SteadyShot-Einstlg." die Brennweite des Objektiv eingestellt werden. Dazu einmal die OK-Taste drücken und nun den Punkt "SteadyShot-Anpass." von "Auto" auf "Manuell" stellen und abschließend unter "StedyS. Brennweite" die entsprechende Brennweite einstellen.

Das Gehäuse

Kommen wir nun zum Gehäuse. Auf den ersten Blick fallen die Unterschiede kaum auf, aber es gibt sie. Fangen wir mit den Abmessungen an. Bei der Breite hat sich nichts geändert: Beide Modelle sind 12,7 Zentimeter breit. Bei der Höhe und Tiefe hat die A7 II etwas zugelegt. War die A7 noch 9,4 Zentimeter hoch, bringt es die A7 II auf 9,6 Zentimeter. Etwas größer fällt der Unterschied in der Tiefe aus. Die A7 hat 4,8 Zentimeter, während die A7 II ziemlich genau 6,0 Zentimeter tief ist. Unterschiede gibt es aber vor allem beim Gewicht: Die A7 wiegt inklusive Akku und Speicherkarte 474 Gramm und die A7 II 600 Gramm, also rund 125 Gramm mehr. Verantwortlich für das größere Gewicht dürfte vor allem die Stabilisierung des Sensors sein.

  Breite x Höhe x Tiefe Gewicht (Gehäuse inklusive Akku)
Sony Alpha 7 12,7 x 9,4 x 4,8 Zentimeter 474 Gramm
Sony Alpha 7 II 12,7 x 9,6 x 6,0 Zentimeter 600 Gramm

Hinsichtlich des Gehäuses gibt es einige kleine Änderungen. So ist der Auslöseknopf nun etwas schräg auf dem Handgriff. Persönlich finde ich das wesentlich angenehmer als beim Vorgängermodell, bei dem der Auslöser auf der Gehäuseoberseite war und etwas unergonomisch war. Wie gewohnt sind Auslöser und Einschalter wieder kombiniert. Das vordere Drehrad ist nun in den Griff unterhalb des Auslöser gewandert. Auf der rechten Oberseite der Kamera ist dadurch Platz für eine zweite Individualtaste geworden. Dort befinden sich nun zwischen dem Programmwahlrad und dem Drehrad für die Belichtungskorrektur die Tasten C1 und C2. Beide können individuell belegt werden.

Die Änderungen auf er Rückseite der Kamera fallen moderat aus. Die obere Kante ist nun leicht abgeschrägt, so dass die Menü- und C3-Taste besser erreichbar sind. Das hintere Drehrad ist etwas kleiner geworden damit aber nicht weniger griffgünstig. Die Videotaste ist ein wenig nach außen gerückt, so dass es weniger häufig vorkommen dürfte, dass die Taste versehentlich gedrückt wird. Bis auf diese Änderungen sind Tasten und Drehrad unverändert: Der AF/MF-Umschalter mit integrierter Taste, die FN-Taste, das Drehrad mit OK-Taste in der Mitte, sowie die Wiedergabe- und Lösch-Taste.

Die Beschriftung des AF/MF-Umschalters ist allerdings ein wenig verwirrend. Oben steht AF/MF und unten AEL. Allerdings schaltet man nicht zwischen diesen Funktionen um, sondern legt lediglich die Funktionen der Taste fest, die im Zentrum des Schalters liegt. Die Funktion der Taste kann individuell festgelegt werden, wobei zwischen 46 Funktionen gewählt werden kann. Die Einstellung der Taste findet sich im SETUP-Menü (kleines Zahnrad) auf der sechsten Seite unter dem Punkt "Key-Benutzereinstlg.". Hier kann dann unter dem Punkt "Funkt. d. AEL-Taste" die Funktion der Taste festgelegt werden, wenn der kleine Hebel unten auf der Position AEL steht. Der Punkt darunter ist mit "AF/MF-Taste" beschrieben und legt die Funktion der Taste fest, wenn der Hebel auf AF/MF steht. Unter dem Menüpunkt "Key-Benutzereinstlg." können zusätzlich das Steuerrad, die Benutzerdefinierten Tasten C1, C2, C3 und C4 sowie die drei Tasten des Vierwegeschalters Links, Rechts und Unten, sowie die Mitteltaste individuell eingestellt werden. Auch hier stehen wieder 56 Funktionen zur Wahl.

Wie schon bei der Alpha 7, hat auch die Strich II keinen eingebauten Blitz. Aber natürlich einen Blitzschuh für einen externen Blitz. 

Gleich geblieben ist der Klappmonitor und seine Größe mit einer Diagonale von drei Zoll = 7,5 Zentimeter – ist klappbar, 90 Grad nach oben und 45 Grad nach unten. Etwas erhöht wurde die Auflösung von 921.000 Bildpunkten auf 1,2 Millionen bei der 7 II. Wie gewohnt gibt es einen elektronischen Sucher mit einer Bildschirmdiagonale von 0,5 Zoll und einer Auflösung von 2,35 Millionen Bildpunkten. Bildschirm und Sucher zeigen ein gestochen scharfes und brillantes Bild. Es gibt praktisch keine zeitliche Verzögerung zwischen LIve-Bild und Sucher-Bild (Latenz) und die von früher bekannten Schlieren beim Schwenken gibt es ebenfalls nicht mehr. Die Qualität des elektronischen Sucher finde ich hervorragend. War ich bis vor zwei Jahren noch eiserner Verfechter eines optischen Suchers, ziehe ich inzwischen einen guten elektronischen, wie den der Sony, vor. Die Pixelstruktur ist praktisch nicht mehr zu sehen und ich habe den Vorteil, dass mir alle wichtigen Aufnahmedaten eingeblendet werden. Außerdem kann ich die Menüs einstellen, ohne den Blick vom Sucher nehmen zu müssen. Und im Sucher werden selbstverständlich alle wichtigen Informationen eingeblendet inklusive der 3D-Wasserwaage.

Eine wichtige Taste ist die Fn-Taste. Drückt man die, erscheinen am unteren Rand des Bildschirms verschiedene Kameraeinstellungen. Bei anderen Herstellern wird dies Funktion auch Quick-Menü genannt. Insgesamt können zwölf Funktionen so direkt gewählt und eingestellt werden. Zunächst die gewünschte Position mit der Vierwege-Taste ansteuern und dann den Wert mit einem der Dreiräder wählen – so geht's am schnellsten. Im SETUP-Menü (kleines Zahnrad) kann man übrigens unter dem Punkt "Funkt.menü-Eintlg." die zwölf verschiedenen Kamerafunktionen festlegen, die man hier einstellen möchte. Insgesamt zwischen 31 Funktionen kann man wählen.

Das einzige, was ich mir bei der A7 II gewünscht hätte: Einen Touchscreen, wie es ihn bei der Alpha 5100 gibt. Damit ließe sich der Autofokuspunkt noch flotter und bequemer an die gewünschte Position bewegen.

Hier der Vergleich zwischen der Sony Alpha 7 (links) und der Sony Alpha 7 II (rechts):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Autofokus-System

Wenn wir schon beim Sensor sind, dann noch eben ein Schlenker zum Autofokus-System der A7 II. Das hat sich gegenüber der A7 nicht verändert und ist nach wie vor ein Hybrid-Autofokus. Wie funktioniert das System? Normalerweise arbeiten Systemkameras nur mit Kontrastautofokus-System. Dabei erkennt die Kamera Kontrastunterschiede im Motiv und korrigiert die Einstellung des Objektivs nun so lange, bis der maximale Kontrast erreicht ist und damit das Bild die maximale Schärfe hat. Das Problem dabei: Das Objektiv fährt den Fokus dabei hin und her, so dass es eine Zeit dauert, bis die perfekte Schärfe gefunden ist. Das geht zwar im Vergleich zu führeren Kameragenerationen deutlich schneller, aber immer noch nicht so schnell, wie mit guten Spiegelreflexkameras.

Die nutzen das sogenannte Phasendetektionsverfahren beim Autofokus. Vorteil dieses Systems: Die Elektronik erkennt, in welche Richtung der Fokus des Objektivs verändert werden muss, um ein scharfes Bild zu bekommen. Aber nicht nur das: Die Elektronik erkennt auch, wie stark der Fokus angepasst werden muss. Das geht dann blitzschnell und absolut präzise. Und noch ein Vorteil: Bewegt sich Motiv, so erkennt der Autofokus, in welche Richtung und kann die Schärfe präzise nachführen.

Nun gab es bisher das Problem, dass das schnellere und präzisere Phasendetektions-Verfahren nur mit einem extra Autofokus-Sensor genutzt werden kann. Spiegelreflexkameras haben dazu einen zweiten Spiegel hinter dem Hauptspiegel, der das Bild auf den Autofokus-Sensor am Boden des Lichtschachtes lenkt. Da Systemkameras keinen Umlenkspiegel haben, kann das Bild auch nicht auf einen extra AF-Sensor gelenkt werden. Somit blieb bislang nur das Kontrastautofokus-System. Nun haben einige Hersteller einen Weg gefunden, dieses Problem zu lösen. Auf dem Hauptsensor der Kamera sind einige Pixel, die als Phasendekektions-Pixel arbeiten. Bisher haben Olympus und Fujifilm in ihren Top-Modellen diese Technik eingesetzt. Diese Technik nutzt Sony auch bei der Alpha 7 und 7 II. Insgesamt sorgen 117 Phasendetektions-Punkte dafür, dass der Autofokus schnell arbeitet. 

Diese 117 Punkte sind allerdings nicht über den gesamten Sensor verteilt, sondern befinden sich im Zentrum. Man kann sich diesen Bereich im Display und im Sucher anzeigen lassen:

MENU-Taste drücken, dritte Seite des Einstell-Menüs (Symbol "kleines Zahnrad") ansteuern und dort den Punkt "Phasenerk-bereich" auf "Ein" stellen.

Man kann nun einen Versuch machen, um den Unterschied zwischen Phasendetektion- und Kontrast-Autofokus zu sehen. Man wählt als Fokusfeld die Einstellung "Flexible Spot L" und schiebt diesen nun ganz an den Rand, so dass er außerhalb des Phasendetektions-Bereiches ist. Nun fokussiert man auf ein Motiv und tippt den Auslöser an. Die Kamera stellt nun auf den Spot scharf und fährt dabei vermutlich die Entfernungseinstellung des Objektivs ein paar mal hin und her, bis die perfekte Schärfe erreicht ist. Nun schiebt man das Autofokusfeld in die Mitte des Bildes, als in den Bereich, in dem der Phasendetektions-Autofokus aktiv ist. Tippt man nun den Auslöser an, führt die Kamera die Schärfe wesentlich schneller zum Punkt und vor allem ohne hin und her. Der Grund: Die Kamera weiß, in welche Richtung der Fokus verstellt werden muss und führt dies blitzschnell aus.

Neue Videofunktion

Neben dem neuen Bildstabilisierungsverfahren per Sensor bei der Alpha 7 II, gibt es eine Neuerung im Bereich Video. Bereits die letzten neuen Kameras wie die Alpha 5100, die RX 100 M3 und die SLT A77 M2 haben das neue Videoformat XAVC S. Im Vergleich zu AVCHD sind damit höhere Datenraten möglich. So zeichnet XAVC S in der besten Qualität immerhin mit 50 Mbps auf, im Vergleich zu 28 Mbps bei AVCHD. Dabei stehen die gleichen Bildwiederholraten von 60p/50p/30p/25p/24p zur Verfügung – alles in Full-HD mit 1920 x 1080 Bildpunkten. Das bessere 4k-Format (3840 x 2160 Bildpunkte) kann die Alpha 7 II nicht aufnehmen, das bleibt der Alpha 7S vorbehalten. 

HINWEIS: Um das neue Videoformat XAVC S nutzen zu können wird eine entsprechend schnelle SD-Karte mit MINDESTENS 64 GB Kapazität benötigt. Die Karte muss eine Datenrate von MINDESTENS 94 Mbit/s haben. Es gibt diese sowohl von Sony, als auch Sandisk. Schnelle Karten mit geringerer Kapazität reichen nicht aus und es wird eine Fehlermeldung ausgegeben.

Mit dem neuen Videoformat hat die Alpha 7 II einige zusätzliche Funktionen bekommen. So kann man im Kameramenü 5 unter dem Punkt "Fotoprofil" verschiedene Presets festlegen. Dabei können folgende Einstellungen vorgenommen werden: Schwarzpegel (+15 bis -15), Gamma (Movie, Still, Cine 1 bis 4, ITU709, ITU709(800%), S-Log2), Schwarz-Gamma (Bereich: Breit, Mittel, Schmal und Stufe +7 bis -7), Knie (diverse Einstellungen), Farbmodus (Movie, Still, Cinema, Pro, ITU709-Matrix, Schwarz/Weiß, S-Gamut), Sättigung (+32 bis -32), Farbphase (+7 bis -7), Farbtiefe (R, G, B, C, M, Y jeweils +7 bis -7) sowie Details (Stufe +7 bis -7 und Modus mit diversen Einstellungen). Es lassen sich insgesamt sieben Presets (PP1 bis PP7) festlegen.

In System-Menü 3 (Symbol "Werkzeugkiste) kann außerdem unter dem Punkt "TC/UB-Einstlg." eingestellt werden, wie und welcher Timecode bei der Videoaufnahme verwendet werden soll. Alternativ kann das User Bit (UB) festgelegt werden. Die Zebra-Funktion zur Belichtungskontrolle ist nicht neu und war schon bei der A7 vorhanden. Hier können Werte von 100+, 100, 95, 90, 85, 80, 75 und 70 eingestellt werden. 

Wie gewohnt kann ein externes Mikrofon angeschlossen werden, dass sich manuell aussteuern lässt. Der Pegel lässt sich währen der Aufnahme einblenden. Der HDMI-Ausgang ist wie bei Sony üblich ein Live-HDMI-Ausgang, so dass ein Kontrollmonitor oder ein externes Aufnahmegerät angeschlossen werden kann.

Ausgestattet ist die A7 II mit WiFi (WLAN) und dem bereits von anderen Sony-Kameras bekannten NFC-Chip zur schnellen Kopplung zwischen Kamera und Smartphone. 

Ach ja, bevor ich es vergesse: Einen eingebauten Blitz gibt bei der Alpha 7 / 7R nicht. Aber natürlich einen Blitzschuh für einen externen Blitz. Ich persönlich finde es praktischer wenn ein kleiner Blitz integriert ist. So habe ich schnell mal die Möglichkeit einen leichten Aufheller bei Gegenlicht zu machen. 

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